Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

18. Dez 2018

Es geht auf Weihnachten zu und naturgemäß steigt der Anteil an Paketen, die mit den Paketdiensten geliefert werden müssen. Die sind durch das ohnehin schon hohe Paketaufkommen durch den Online-Handel mittlerweile komplett überfordert, mit der Folge, dass der Service immer schlechter wird, auch weil die Zusteller oft nur für den Mindestlohn arbeiten und das Pensum einfach zu groß ist, um den korrekten Service zu gewährleisten. Immer öfter kommt es nun vor, dass die Zusteller einfach nicht mehr beim Kunden klingeln, sondern lieber gleich das Paket wieder mitnehmen, um es in einem Paketshop durch den Kunden abholen zu lassen. Oder das Paket wird einfach irgendwo anders abgegeben, obwohl der Kunde eigentlich zuhause ist. Gelegentlich wird dabei dann auch noch die Benachrichtigung vergessen, und der Kunde weiß gar nicht, dass der Zusteller da war und er das Paket nun woanders abholen muss.

Das ist natürlich extrem unbefriedigend und fördert nicht gerade das Wohlwollen und die Sympathie gegenüber den gestressten und unterbezahlten Zustellern. Für weiteren Frust sorgt dann natürlich, dass Hermes kürzlich ankündigte, für Lieferungen an die Haustür künftig mehr zu verlangen. Realistisch betrachtet ist das aber eine Maßnahme, um die die anderen Paketdienste langfristig ebenfalls nicht herum kommen werden.

Ich glaube, dass das Paketaufkommen auch zukünftig eher nicht weniger wird. Der Service wird schon aus Kostengründen zurückgefahren werden. Einige Paketdienste experimentieren mit Technologien wie der Lieferung per Drohne oder Paketkästen (also quasi der privaten Packstation). Ich halte beides für eher ungeeignet, die Probleme zu lösen: Die Drohnen können höchstens dort sinnvoll eingesetzt werden, wo der Kunde entsprechende Landeplätze anbieten und das Paket auch noch vor unberechtigtem Zugriff schützen kann. Für geschlossene Siedlungen mit Mehrfamilienhäusern dürfte das also keine Lösung sein. Die privaten Paketkästen haben ein ähnliches Problem: in Städten dürfte kaum genug Platz sein, einen Kasten für jeden Mieter oder Wohnungsbesitzer aufzustellen. Und bei Gemeinschaftskästen gibt es dann wieder das Problem mit dem Schutz vor unberechtigtem Zugriff. Zudem haben die entsprechenden Initiativen auch schon gezeigt, dass sich die Paketdienste nicht einmal auf ein gemeinsames System für die Öffnung einigen können, so dass wieder jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Aus meiner Sicht täten die Paketdienste gut daran, sich zusammenzuraufen und ein gemeinsames System von automatisierten Abholstationen à la Packstation aufzubauen (vielleicht betrieben durch ein separates Unternehmen), wobei die einzelnen Stationen natürlich größer ausfallen könnten. Lieferungen an die Haustür könnten so verteuert werden, dass die Abholung die bessere und günstiger Alternative wird. Die Paketdienste müssten nicht mehr jede Adresse separat sondern nur noch ein bis zwei Stationen pro Stadtviertel anfahren, was nebenbei auch noch besser für die Verkehrslage und das Klima wäre, und bräuchten weniger Personal, das im Gegenzug besser bezahlt werden könnte. Der Kunde könnte sein Paket zu jeder Zeit abholen (oder zum Versand hinterlegen), er wäre also nicht auf Öffnungszeiten von Paketshops oder Postfilialen angewiesen und müsste sein Paket nicht suchen, wenn mal wieder die Benachrichtigung vergessen wurde oder im falschen Briefkasten gelandet ist.

Das Ganze wäre zwar ein Kulturwechsel, aber die Vorteile liegen auf der Hand.

Permalink

06. Nov 2018

Nachdem Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen sich nun schon über längere Zeit durch Versagen, Verdrehen der Wahrheit und eine ganz eigene Sicht auf die Realität ausgezeichnet hat, wurde es nun auch seinem Chef und vorherigen Unterstützer Seehofer zu bunt, nachdem er in einer Rede vor europäischen Geheimdienstchefs, die dann auch innerhalb des Verfassungsschutzes kursierte, eine Verschwörungstheorie präsentierte, nach der unter Anderem "linksradikale Kreise in der SPD" gegen ihn, der sich natürlich gar nichts habe zu Schulden kommen lassen, konspirieren. Er bastelt also an seiner ganz eigenen Dolchstoßlegende.

Neben anderen, ebenso fragwürdigen Formulierungen, war das einer der Gründe dafür, dass Seehofer ihn nun doch in den Ruhestand schickt. Im Netz wird schon gewitzelt, dass Herr Maaßen demnächst auf einer Wahlliste der AfD auftauchen oder ein Buch im Stile eines Herr Sarrazin veröffentlichen wird.

Was mir bei der ganzen Geschichte allerdings Sorgen bereitet, ist, dass ein möglicher Nachfolger womöglich ein ebenso taktisches Verhältnis zur Wahrheit und Demokratie, die er eigentlich schützen soll, haben könnte. Denn es sieht nicht so aus, als würden die Fehler des BfV in den letzten Jahren auch nur die kleinste Aufarbeitung erfahren. Aus meiner Sicht ist bei solchen großen Organisationen nie einer allein schuld, solche Fehlentwicklung sind immer das Resultat einer umfassenden, komplett fehlgeleiteten Kultur innerhalb der Behörde.

Permalink

30. Okt 2018

Die hessische Landtagswahl vom vergangenen Sonntag war für alle Beteiligten mit Ausnahme der AfD und der Grünen eine ziemliche Enttäuschung. Eine Enttäuschung, die vorprogrammiert war. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie man in Politik und Medien davon ausgehen kann, dass sich das Ergebnis einer Wahl für ein Landesparlament wesentlich von der allgemeinen Stimmung im Bund unterscheiden könnte. Da wird immer so getan, als hätten Entscheidungen und Streit im Bund keine Auswirkungen auf das, was im Land passiert. Landespolitik mag anders sein als Bundespolitik, aber in den Bereichen, die für die Menschen wichtig sind, also Arbeit, Wohnen, Umwelt usw. hat der Bund die Gestaltungshoheit. Einzig bei der Bildung sind die Länger halbwegs autonom, und dort hat man es auch in Hessen in den letzten Jahren versäumt, wesentliche Akzente zu setzen. Selbst bei Themen wie Flüchtlingsintegration, Nachtflugverbot oder den Dieselfahrverboten, die einzelne Kommunen betreffen und die eigentlich mit nur wenig Aufwand seitens des Landes hätten gelöst werden können, ist nichts passiert, das den Bürgern klar gemacht hätte, worin der Unterschied zwischen Bund und Land besteht. Warum tun jetzt also alle so, als wären nur die Bundespolitik Schuld? Es ist nicht so, als würden die alle ihre Entscheidungen ohne die Landesverbände treffen. Ok, in Hessen wird sich vermutlich nicht viel ändern, außer dass die FDP mal wieder mit regieren darf, aber auch das ist wieder ein Symptom für die Ideenlosigkeit und Ignoranz der aktuellen Politik.

Permalink

12. Okt 2018

Lesetipp: LOW←TECH MAGAZINE

Das Magazin beschäftigt sich mit energieffizenten Low-Tech-Lösungen für eine nachhaltigere Welt. Passend dazu strebt auch die Website selbst nach maximaler Energiesparsamkeit und verzichtet auf all den technischen Schnickschnack moderner Websiten: keine dynamischen Inhalte, keine Fonts, die nachgeladen werden müssen, die Bilder werden durch monochromes Dithering extrem komprimiert, so dass die Datenmenge, die über das Netz geht, sehr klein bleibt, und damit wenig Energie verbraucht (ähnlich wie dieser Blog selbst auch). Nebenbei wird dadurch die Seite auch auf dem Handy extrem schnell geladen.

Zudem läuft das Magazin auf einem Minirechner, der über eine Solaranlage und einen Akku mit Strom versorgt wird, was dazu führt, dass die Website offline geht, wenn für längere Zeit die Sonne nicht scheint. Der Energieverbrauch und aktuelle Ladestand des Akkus werden natürlich auch angezeigt.

Permalink

28. Sep 2018

Facebook erlaubt ihren Werbekunden, ganz gezielt bestimmte Nutzer anzusprechen, indem die Werbenden Listen mit Kundendaten hoch laden, die Facebook dann mit den vorhandenen Daten abgleicht. Das Interessante dabei ist nun, dass Facebook dazu nicht nur die einsehbaren Daten aus dem Profil heranzieht, sondern auch sogenannte Schatten-Daten, also Daten, die sie beispielsweise für die Zwei-Faktor-Authentifizierung oder die Konten-Wiederherstellung bekommen haben, oder auch Daten von anderen Leuten, die irgendwie dem jeweiligen Nutzer zugeordnet werden können, zum Beispiel aus deren Kontaktlisten im Mobiltelefon, auf die Facebook ja üblicherweise auch Zugriff erhält. Diese Daten nutzt Facebook offenbar selbst dann, wenn alle Optionen gegen die Datenweitergabe aktiviert wurden.

Ich sehe da ein neues Schlachtfeld für Datenschützer, Anwälte und Gerichte hierzulande, weil das wohl kaum mit der DSGVO vereinbar sein dürfte.

Permalink

24. Sep 2018

In der Causa Hans-Georg Maaßen hat die Bundesregierung mal wieder bewiesen, wie sehr man sich vom gesunden Menschenverstand verabschiedet hat. Rekapitulieren wir kurz die Ereignisse, wie sie sich derzeit darstellen:

Natürlich könnte man argumentieren, dass Herr Maaßen als Chef des Verfassungsschutzes auch den Verfassungsschutz schützen muss. Allerdings gehen einige seiner Äußerungen weit darüber hinaus und fallen in den Bereich der politischen Einflussnahme, was definitiv nicht seine Aufgabe ist. Und der Verfassungsschutz als Organ, das die Demokratie schützen und erhalten soll, darf nicht völlig intransparent sein und sich jeder Kontrolle entziehen.

Versagen und Fehler führen also unter dieser Regierung zur Beförderung, oder zumindest dazu, dass es letztlich keine nennenswerte Konsequenzen gibt. Und wenn der eine Posten weg ist, so ist doch gleich ein neuer, ebenso gut oder sogar besser bezahlter Posten zur Hand. Kritik daran kommt erst auf, wenn sich Medien oder Bevölkerung einschalten. Postengeschacher ist an der Tagesordnung, Konsequenzen muss niemand fürchten.

Wie abgehoben muss man sein, um so etwas als normal zu empfinden?

Permalink

13. Sep 2018

Das EU-Parlament hat das neue Urheberrecht nun beschlossen. Leider mit den problematischen Artikeln zum Leistungsschutzrecht und den Upload-Filtern. Angeblich zum besseren Schutz der Arbeit der Kreativen, faktisch profitieren aber nur die großen Medienkonzerne vom Leistungsschutzrecht. Kreative, die mit Samples und Zitaten arbeiten, dürften es künftig schwer haben, auch weil die zu erwartenden die Upload-Filter der großen Plattformen wohl kaum zwischen Satire und ernster Meinung, zwischen Sample oder Zitat und originalem Werk unterscheiden werden können. Damit ist die Mashup-Kultur des Internets tot, die eigentlichen Kreativen werden weniger Arbeiten ins Internet stellen, abweichende Meinungen werden unterdrückt.

Was bedeutet das für mich? Gut, von den Upload-Filtern bin ich jetzt eher weniger betroffen, da ich meinen Server selbst betreibe und niemand außer mir hier aktiv ist oder Dinge hoch lädt. Das Leistungsschutzrecht ist da schon eher problematisch, da bereits ein Link mit einem unglücklich gewählten Text einen Abgeltungs-Anspruch auslösen kann. Bisher habe ich meist auf Angebote verlinkt, die das Leistungsschutzrecht ablehnen, aber niemand kann garantieren, dass das so bleibt. Und ich bin mir sicher, dass sich bereits irgendwo ein paar Anwälte voller Vorfreude die Hände reiben.

Was mich besonders ärgert: ausgerechnet Teile der Grünen/Freie Europäische Allianz-Fraktion im EU-Parlament haben für die Urheberrechts-Novelle gestimmt und damit erst deren Annahme ermöglicht. Also ausgerechnet die Leute, die ursprünglich mal angetreten waren, die Meinungsfreiheit und Interessen der Mehrheit der Menschen gegen die Macht der Konzerne durchzusetzen. Und statt auf ihre eigenen Experten (Julia Reda zum Beispiel) zu hören, glauben sie, dass ihr marginales technisches Verständnis dafür, wie das Internet oder Computer funktionieren (is' halt alles noch #neuland), eine ausreichende Grundlage ist, zu entscheiden, wie dieses künftig funktionieren soll, weil ihnen irgendwelche Konzernlobbyisten etwas vorgeheult haben.

Macht korrumpiert. Wes' Brot ich ess', des' Lied ich sing'.

Permalink

05. Sep 2018

Die Ereignisse der letzten Wochen in Chemnitz zeigen mal wieder das ganze Elend der etablierten Parteien: Statt von Anfang an AfD, NPD, Pegida und Co wegen ihres Mangels an echten Lösungen für die sozialen Probleme bloß zu stellen, versucht man, deren Fremdenfeindlichkeit in kaum abgemilderter Form zu übernehmen. Statt sich klar gegen rechte Propaganda und Gewalt zu stellen, kritisiert man lieber den Bundespräsidenten dafür, dass er auf ein Konzert gegen Rechts hinweist. Statt sich für die Lebenssituation seiner Wähler zu interessieren und die wirklichen Probleme zu benennen, führt man lieber monatelange Kleinkriege untereinander und überlässt Rassisten und Nazis das Feld.

Und natürlich sind jetzt wieder alle ganz entsetzt, als hätte man das nicht kommen sehen.

Permalink
Startseite Archiv Suche
Proudly made purely with Rust
Impressum und Datenschutzerklärung