Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

12. Okt 2018

Lesetipp: LOW←TECH MAGAZINE

Das Magazin beschäftigt sich mit energieffizenten Low-Tech-Lösungen für eine nachhaltigere Welt. Passend dazu strebt auch die Website selbst nach maximaler Energiesparsamkeit und verzichtet auf all den technischen Schnickschnack moderner Websiten: keine dynamischen Inhalte, keine Fonts, die nachgeladen werden müssen, die Bilder werden durch monochromes Dithering extrem komprimiert, so dass die Datenmenge, die über das Netz geht, sehr klein bleibt, und damit wenig Energie verbraucht (ähnlich wie dieser Blog selbst auch). Nebenbei wird dadurch die Seite auch auf dem Handy extrem schnell geladen.

Zudem läuft das Magazin auf einem Minirechner, der über eine Solaranlage und einen Akku mit Strom versorgt wird, was dazu führt, dass die Website offline geht, wenn für längere Zeit die Sonne nicht scheint. Der Energieverbrauch und aktuelle Ladestand des Akkus werden natürlich auch angezeigt.

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28. Sep 2018

Facebook erlaubt ihren Werbekunden, ganz gezielt bestimmte Nutzer anzusprechen, indem die Werbenden Listen mit Kundendaten hoch laden, die Facebook dann mit den vorhandenen Daten abgleicht. Das Interessante dabei ist nun, dass Facebook dazu nicht nur die einsehbaren Daten aus dem Profil heranzieht, sondern auch sogenannte Schatten-Daten, also Daten, die sie beispielsweise für die Zwei-Faktor-Authentifizierung oder die Konten-Wiederherstellung bekommen haben, oder auch Daten von anderen Leuten, die irgendwie dem jeweiligen Nutzer zugeordnet werden können, zum Beispiel aus deren Kontaktlisten im Mobiltelefon, auf die Facebook ja üblicherweise auch Zugriff erhält. Diese Daten nutzt Facebook offenbar selbst dann, wenn alle Optionen gegen die Datenweitergabe aktiviert wurden.

Ich sehe da ein neues Schlachtfeld für Datenschützer, Anwälte und Gerichte hierzulande, weil das wohl kaum mit der DSGVO vereinbar sein dürfte.

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24. Sep 2018

In der Causa Hans-Georg Maaßen hat die Bundesregierung mal wieder bewiesen, wie sehr man sich vom gesunden Menschenverstand verabschiedet hat. Rekapitulieren wir kurz die Ereignisse, wie sie sich derzeit darstellen:

Natürlich könnte man argumentieren, dass Herr Maaßen als Chef des Verfassungsschutzes auch den Verfassungsschutz schützen muss. Allerdings gehen einige seiner Äußerungen weit darüber hinaus und fallen in den Bereich der politischen Einflussnahme, was definitiv nicht seine Aufgabe ist. Und der Verfassungsschutz als Organ, das die Demokratie schützen und erhalten soll, darf nicht völlig intransparent sein und sich jeder Kontrolle entziehen.

Versagen und Fehler führen also unter dieser Regierung zur Beförderung, oder zumindest dazu, dass es letztlich keine nennenswerte Konsequenzen gibt. Und wenn der eine Posten weg ist, so ist doch gleich ein neuer, ebenso gut oder sogar besser bezahlter Posten zur Hand. Kritik daran kommt erst auf, wenn sich Medien oder Bevölkerung einschalten. Postengeschacher ist an der Tagesordnung, Konsequenzen muss niemand fürchten.

Wie abgehoben muss man sein, um so etwas als normal zu empfinden?

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13. Sep 2018

Das EU-Parlament hat das neue Urheberrecht nun beschlossen. Leider mit den problematischen Artikeln zum Leistungsschutzrecht und den Upload-Filtern. Angeblich zum besseren Schutz der Arbeit der Kreativen, faktisch profitieren aber nur die großen Medienkonzerne vom Leistungsschutzrecht. Kreative, die mit Samples und Zitaten arbeiten, dürften es künftig schwer haben, auch weil die zu erwartenden die Upload-Filter der großen Plattformen wohl kaum zwischen Satire und ernster Meinung, zwischen Sample oder Zitat und originalem Werk unterscheiden werden können. Damit ist die Mashup-Kultur des Internets tot, die eigentlichen Kreativen werden weniger Arbeiten ins Internet stellen, abweichende Meinungen werden unterdrückt.

Was bedeutet das für mich? Gut, von den Upload-Filtern bin ich jetzt eher weniger betroffen, da ich meinen Server selbst betreibe und niemand außer mir hier aktiv ist oder Dinge hoch lädt. Das Leistungsschutzrecht ist da schon eher problematisch, da bereits ein Link mit einem unglücklich gewählten Text einen Abgeltungs-Anspruch auslösen kann. Bisher habe ich meist auf Angebote verlinkt, die das Leistungsschutzrecht ablehnen, aber niemand kann garantieren, dass das so bleibt. Und ich bin mir sicher, dass sich bereits irgendwo ein paar Anwälte voller Vorfreude die Hände reiben.

Was mich besonders ärgert: ausgerechnet Teile der Grünen/Freie Europäische Allianz-Fraktion im EU-Parlament haben für die Urheberrechts-Novelle gestimmt und damit erst deren Annahme ermöglicht. Also ausgerechnet die Leute, die ursprünglich mal angetreten waren, die Meinungsfreiheit und Interessen der Mehrheit der Menschen gegen die Macht der Konzerne durchzusetzen. Und statt auf ihre eigenen Experten (Julia Reda zum Beispiel) zu hören, glauben sie, dass ihr marginales technisches Verständnis dafür, wie das Internet oder Computer funktionieren (is' halt alles noch #neuland), eine ausreichende Grundlage ist, zu entscheiden, wie dieses künftig funktionieren soll, weil ihnen irgendwelche Konzernlobbyisten etwas vorgeheult haben.

Macht korrumpiert. Wes' Brot ich ess', des' Lied ich sing'.

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05. Sep 2018

Die Ereignisse der letzten Wochen in Chemnitz zeigen mal wieder das ganze Elend der etablierten Parteien: Statt von Anfang an AfD, NPD, Pegida und Co wegen ihres Mangels an echten Lösungen für die sozialen Probleme bloß zu stellen, versucht man, deren Fremdenfeindlichkeit in kaum abgemilderter Form zu übernehmen. Statt sich klar gegen rechte Propaganda und Gewalt zu stellen, kritisiert man lieber den Bundespräsidenten dafür, dass er auf ein Konzert gegen Rechts hinweist. Statt sich für die Lebenssituation seiner Wähler zu interessieren und die wirklichen Probleme zu benennen, führt man lieber monatelange Kleinkriege untereinander und überlässt Rassisten und Nazis das Feld.

Und natürlich sind jetzt wieder alle ganz entsetzt, als hätte man das nicht kommen sehen.

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31. Jul 2018

Telegram ist eine gern genutzte Alternative zu WhatsApp. Leider ist Telegram nicht sehr sicher, weil die Chats nicht standardmäßig verschlüsselt sind, was besonders in repressiven Regimes (wie zum Beispiel im Iran, wo Telegram sehr beliebt ist) ein Problem werden kann.

Gestern hat ein iranischer Provider durch eine Manipulation dafür gesorgt, dass minutenlang sämtlicher Verkehr zu einer Reihe von IP-Adressen über iranische Server lief. Einige der Adressen gehören zu Telegram-Servern. Das bedeutet, dass sämtliche Nachrichten, die in diesem Zeitraum mit Telegram verschickt wurde, im Iran gelandet sind. Da die meisten Telegram-Chats unverschlüsselt sind, besitzen die Iraner nun potenziell Millionen Nachrichten im Klartext. Jeder kann sich ausmalen, was die damit anstellen.

Wer seine Daten nicht WhatsApp und damit Facebook in den Rachen werfen will, die bekanntlich ziemlich zwielichtige Sachen damit treiben, sollte auf Signal oder Wire umsteigen, die nachgewiesenermaßen exzellente Verschlüsselung bieten, die Privatsphäre ihrer Nutzer in besonderem Maße als schützenswert betrachten und noch dazu freie Open Source-Software sind.

Nachtrag vom 02.08.2018: Ein weiteres Problem: Offenbar nutzt die Telegram Passport genannte Funktion, mit der Ausweisdaten verschlüsselt in der in der Cloud gespeichert werden sollen, veraltete, unsichere Hash-Algorithmen für die zur Ver- und Entschlüsselung genutzten Passwörter. Noch dazu scheint die ganze Implementation so schlecht zu sein, so dass die Passwörter dadurch noch leichter geknackt werden können. Ein Super-GAU und noch ein Grund mehr, Telegram nicht zu nutzen.

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16. Jul 2018

Douglas Rushkoff, viel zitierter Medientheoretiker, Dozent, Autor etc. mit engen Verbindungen zur Open Source- und Cyberpunk-Community, wurde letzes Jahr für ein außerordentlich großzügiges Honorar in ein Resort für Superreiche eingeladen, um dort vor Investmentbankern einen Vortrag über die Zukunft der Technologie zu halten.

Nahm er jedenfalls an.

Im Resort angekommen, führte man ihn in einen Raum, in dem er dann fünf superreiche weiße Männer traf, die ihn eine Stunde lang zu diversen technologischen Themen befragten: Welche Kryptowährung hat die besten Chancen? Werden Quantenrechner jemals eine weitere Verbreitung erfahren? Langsam gingen die Fragen dann aber in eine andere Richtung: Welche Region wird am wenigsten vom Klimawandel betroffen sein? Wird man wirklich seinen Geist in einem Computer hochladen können? Wie kann man nach einem gesellschaftlichen Kollaps seine Sicherheitskräfte motivieren, einen vor dem Pöbel zu schützen, wenn Geld wertlos ist? Hilft es, den Zugang zu Nahrungsmitteln zu kontrollieren, und sind Disziplinierungshalsbänder eine Möglichkeit?

Diese Männer stellten also sehr konkrete Fragen danach, wie sie langfristig überleben können. Ihm ging dann rasch auf, dass sie fest davon überzeugt sind, dass die Gesellschaft eher in naher als in ferner Zukunft kollabieren wird, sei es durch ein globales Virus, einen Nuklearkrieg, den Klimawandel, einen globalen Infrastrukturkollaps durch Hacks oder eine ähnliche globale Katastrophe. Sie suchen einen Weg, dem irgendwie zu entkommen.

Das stellt das Interesse Superreicher wie Elon Musk (Tesla und Space-X) oder Jeff Bezos (Amazon- und Blue Origin-Chef und derzeit reichster Mensch der Welt) für Raumfahrttechnologie, künstliche Intelligenz und vor allem Informationstechnik in ein etwas anderes Licht. Es geht nicht (nur) darum, mit Raumfahrt Geld zu verdienen und das All als Ressource zu erschließen, sondern von der Erde fliehen zu können. Alternativ soll der Geist in einer Form überleben, die der Unsterblichkeit nahe kommt, beispielsweise indem er in ein sicheres Netzwerk hochgeladen wird. Für sie ist Technologie also kein Mittel zur Verbesserung der Welt, sondern ausschließlich für das eigene Überleben.

Ich halte diese ganze Prepper-Bewegung und ihren Glauben an die Apokalypse ja eigentlich für Schwachsinn. Aber dass sie offenbar so erfolgreich ist und nun auch auf die Superreichen mit all deren Möglichkeiten übergreift, ist doch irgendwie bedenklich und vermutlich ein Symptom für den Zustand der westlichen Gesellschaften.

Und mir stellt sich folgende Frage: Diese Leute mit Geld und Einfluss sind vom nahen Kollaps überzeugt und wollen unbedingt überleben. Wie beeinflusst das ihre Entscheidungen darüber, in welche Technologien sie investieren und wie sie ihr Geld nutzen, um gesellschaftliche Entwicklungen zu lenken?

Besteht die Möglichkeit, dass sie bewusst oder unbewusst durch ihre Entscheidungen den Kollaps als sich selbst erfüllende Prophezeiung erst ermöglichen und herbeiführen?

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12. Jul 2018

Ich habe mir noch ein paar Gedanken zu dem hier und hier angesprochenen Social-Credit-System in China gemacht.

Wie bereits erwähnt, kommt ein Großteil der dabei genutzten Daten von Konzernen wie Tencent und Alibaba. Beide bieten digitale Ökosysteme an, bei denen die Nutzer von der Kommunikation, über Online- und Offline-Handel (beide betreiben eigene Läden und Supermärkte) bis zur Bestellung und Bezahlung von Waren und Dienstleistungen anderer Anbieter über die konzerneigenen Zahlungsdienste, ihre Daten komplett und größtenteils freiwillig den Konzernen zur Verfügung stellen. Die Erfolgsfaktoren sind hier unter Anderem die einfache Verfügbarkeit und Bezahlung von Dienstleistungen direkt über die Messenger (Beispiel: WeChat von Tencent) als mobile Zahlmethode, sowie die Aussicht auf erweiterten Zugang zu exklusiven Diensten, wenn man beispielsweise bei der Bonitätsprüfung mehr Daten von sich preis gibt.

Die gesammelten Daten werden dann von der Regierung mit Daten von Kameras, biometrischen Systemen, Gesichtserkennung etc. zusammen gebracht und erlauben dadurch quasi eine Totalüberwachung.

Wer nun glaubt, dass das nur bei den chinesischen Konzernen so ist, soll sich mal Apple, Google oder Facebook anschauen: alle bieten ähnliche Ökosysteme an, bei denen von der Hardware, über die Kommunikationsmittel, Services wie Suche oder digitale Assistenten, Zahlungsdienste etc. alles aus einer Hand kommt. Die Chinesen haben hier lediglich die noch stärkere Integration auf Kosten des Datenschutzes voraus. Würden die Konzerne freiwillig oder gezwungenermaßen alle ihre Daten zusammenführen und einer Regierung zur Verfügung stellen, wäre eine ähnliche Totalüberwachung problemlos möglich. Und Tendenzen in diese Richtung gibt es mittlerweile im Namen der Sicherheit auch in allen vermeintlich demokratischen Staaten.

Dazu kommt, dass die Nutzer gern Datenschutz gegen Bequemlichkeit tauschen: manchmal aus Unwissen, oft aber auch in vollem Bewußtsein. Das lässt sich meiner Meinung nach auch nicht mit Aufklärung verhindern, weil es die meisten Menschen schlicht nicht interessiert. Sie wollen es einfach nur so bequem wie möglich haben, was ich nachvollziehen kann.

Wie lässt sich also ein Szenario wie in China verhindern?

Einerseits durch politische Arbeit gegen undemokratische Gesetze wie die kürzlich im EU-Parlament abgelehnte Urheberrechtsreform oder die Vorratsdatenspeicherung.

Andererseits muss man Alternativen schaffen, die mit dem Angebot der großen Konzerne konkurrieren können, dabei aber auf Offenheit und Transparenz setzen und die Daten ihrer Nutzer schützen.

Dies kann geschehen, indem Dienste dezentral konzipiert, Interoperabilität, Verschlüsselung und Datensparsamkeit gefördert und dabei die maximale Benutzerfreundlichkeit und Bequemlichkeit als oberste Ziele verfolgt werden. In der Open-Source-Community gibt es weit mehr fähige Entwickler als in den großen Konzernen, jedoch fehlt oft der Wille, sich auch auf andere Sichtweisen einzulassen, Kompromisse zu schließen und persönliche Befindlichkeiten dem Gesamtziel unterzuordnen. Zudem grassiert in vielen Projekten die Featuritis: lieber mehr Features einbauen, als die vorhandenen zu perfektionieren und konsequent auf die Bedürfnisse des durchschnittlichen Nutzers auszurichten.

Es gibt viele Initiativen, Projekte und Communities, die durchaus gute Ansätze zeigen, aber leider mehr für sich arbeiten. Es gibt sichere Messenger wie Signal, Wire oder Threema, die aber leider nicht interoperabel sind. Es gibt Kryptowährungen, die anonyme Zahlungen erlauben. Es gibt genügend kleine Unternehmen, deren Dienstleistungen man beispielsweise über WhatsApp (aber leider nicht über Signal oder Wire oder Threema) anfragen und oft auch buchen kann, Online-Shops, die nicht zu Amazon gehören, Kartendienste, die nicht die Bewegungsdaten ihrer Nutzer sammeln, Office- und Cloud-Lösungen, die man auf einem eigenen Server betreiben kann, um die Herrschaft über seine Daten zu behalten.

Nur fehlt eben das große Ganze, das alles zusammenbringt und dabei den Komfort und die Flexibilität der Systeme der großen Konzerne bietet, ohne dafür den Datenschutz zu opfern: freie und (bis zu einem gewissen Grad) anonyme Paymentlösungen, verteiltes, robustes Hosting von Diensten, einfacher und komfortabler Zugang zu diesen Diensten auch für Unternehmen und Dienstleister durch Integration in sichere Betriebssysteme, Apps und Messenger, und das alles idealerweise, bevor die großen Konzerne den Markt komplett abgedeckt haben.

Ich weiß, dass das alles sehr stark vereinfacht und ein frommer Wunsch ist, aber die Alternative sieht man gerade in China entstehen, und dort wird sie langfristig sicher nicht bleiben.

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