Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

27. Feb 2018

Heute hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, dass Gemeinden grundsätzlich Diesel-Fahrverbote verhängen dürfen. Dabei muss aber laut Urteil die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Jetzt bin ich ja mal gespannt, was die betroffenen Städte so als verhältnismäßig ansehen.

Permalink

19. Feb 2018

Der Dieselskandal und seine Folgen zeigen einmal mehr, dass man als Autobauer in Deutschland selbst bei größtmöglicher krimineller Energie nichts zu befürchten hat: nun soll nach dem Willen einer Gruppe von Beratern bzw. "Experten" der Regierung der Staat (und damit der Bürger) zu einem großen Teil die Umrüstung von Dieselfahrzeugen bezahlen. Die Autobauer, die durch ihren Betrug am Staat und den Kunden das ganzen Problem erst mitverursacht haben, sollen, wenn überhaupt, nur einen kleinen Beitrag leisten.

Ich kann mir schon denken, für wen diese Berater sonst noch so arbeiten.

Wir sollten nicht vergessen, dass ausser ein paar Ermittlungen noch gegen keinen der Beteiligten hier in Deutschland wirklich etwas unternommen wurde, anders als beispielsweise in den USA, wo bereits VW Manager und Ingenieure vor Gericht stehen.

Hierzulande heißt die Lösung "Blaue Plakette": nur mit dieser Plakette darf man die die Verbotszonen, die sicher kommen werden, einfahren. Oder man andersherum betrachtet: die Plaktette werden nur Fahrzeuge bekommen, die mindesten die Euro 6 Abgasnorm erfüllen, oder so umgerüstet wurden, dass ihr Stickstoffwert unter den Grenzwerten bleibt, was aber auch nur für Euro 5 Fahrzeuge überhaupt geplant ist. Die Plakette kostet den Bürger dann natürlich auch wieder Geld.

Im Klartext bedeutet das: die Leute, deren Fahrzeug älter als 2, 3 Jahre ist oder nicht umgerüstet werden kann, sitzen auf einem Haufen wertlosen Schrotts, da sie mit dem Fahrzeug dann in viele große Städte nicht mehr einfahren dürfen und das Auto auch nicht mehr zu einerm vernünftigen Preis verkauft werden kann. Den Autobauern werden so Kosten für die Umrüstung erspart, die sonst ihre Milliardengewinne schmälern könnten (VW hat 2017 trotz Dieselskandal Rekordgewinne eingefahren), die durch diese Maßnahme sogar noch weiter steigen dürften, da dann plötzlich viele Leute eine neues Auto benötigen.

Die Idee mit dem kostenlosen Nahverkehr stammt übrigens auch aus dieser Ecke: so kann man sich die Umrüstung der Fahrzeuge sparen und den Bürgern (via Steuern und Abgaben) die Folgekosten auferlegen. Ich bin aus mehreren Gründen trotzdem noch für den Vorschlag: zum Einen wird das langfristig den Autobauern auch nicht helfen, da sie so ohne Druck, sich ändern zu müssen, und in Anbetracht der Tatsache, dass immer weniger junge Leute ein Auto kaufen, in nicht allzu ferner Zukunft noch einmal die Rechnung für ihr Handeln vorgelegt bekommen werden. Zum Zweiten hat der Kasseler Verkehrswissenschaftler Carsten Sommer errechnet, dass für die Kommunen der Autoverkehr durch die damit verbundenen Folgekosten dreimal so teuer ist, wie es ein kostenloser Nahverkehr wäre. Hier hat also mal jemand das Kostenargument, das bisher gegen den kostenlosen ÖPNV sprach, einfach komplett umgedreht. Ich glaube, dass das langfristig auch bei den Kommunen ziehen wird. Aber ich bin mir auch sicher, dass Lobbyverbände und Autobauer nach Kräften versuchen werden, das zu torpedieren.

Permalink

14. Feb 2018

Viel negatives Echo bekam der Vorschlag der (kommissarischen) Bundesregierung, zur Senkung der Luftschadstoffe in den Städten den Nahverkehr kostenlos zu machen. Der Haupteinwand dagegen war, dass es viel zu teuer sei, selbst wenn der Bund sich beteiligen würde. Zahlen, die derzeit zirkulieren liegen bei rund 20 Milliarden Euro, die sich aus laufenden Kosten, Kosten für die Neuanschaffung sauberer Busse sowie dem Ausbau der Strecken und Bedien-Frequenz ergeben.

Wenn wir von diesen 20 Milliarden Euro ausgehen, und das Ziel die Verbesserung der Luft ist, könnte allein schon die Hälfte des Betrags, nämlich rund 9,5 Milliarden Euro jährlich aufgebracht werden, indem die steuerlichen Vorteile für Dieselkraftstoff abgeschafft werden.

Das hätte gleich mehrere Vorteile:

Obwohl ich selbst einen Diesel fahre, bin ich absolut für den Vorschlag der Regierung, da hier die Vorteile die Nachteile weit überwiegen. Und ich bin mir sicher, dass mit etwas gutem Willen die Finanzierung problemlos möglich ist, vorausgesetzt, dass sich die Politiker nicht von den Lobbies bequatschen lassen.

Eine Alternative zum kostenlosen ÖPNV, die auch die Städte entlasten würde, wäre es aus meiner Sicht, ausserhalb der Städte große Parkhäuser zu bauen, diese an den ÖPNV anzubinden, eine nicht zu hohe Parkgebühr dort zu erheben und das Parkticket als Tageskarte für den ÖPNV zu werten. Zusammen mit flächendeckenden Einfahrtsgebühren und Parkgebühren für Nicht-Einwohner in der Stadt, würde das vermutlich auch schon die Straßen entlasten, und Lärm und Schmutz reduzieren. Kommt noch ein Gütertransport- und Verteilsystem dazu, steht einer viel saubereren Stadt nichts im Weg.

Permalink

Ein neuer Ansatz um fallende Werbeeinnahmen wegen AdBlockern auszugleichen: dem Nutzer die Wahl lassen, ob er den AdBlocker ausschalten oder ein Cryptowährungs-Mining-Skript laufen lassen will. Das ist aus meiner Sicht der bessere Weg, als dem Nutzer den Zugang grundsätzlich zu verwehren. Einziger Nachteil ist, dass man nicht weiß, was das Skript genau macht. Hier wäre es denkbar, dass eine Art Zertifikat für Mining-Skripte (analog zum HTTPS-Zertifikat) dem Nutzer Sicherheit geben würde.

Permalink

08. Feb 2018

Mich ärgert immer wieder, dass überhöhte Manager-Gehälter und Abfindungen mit "Leistung", niedrige Gehälter in anderen Bereichen (wie z.B. in Pflegeberufen) dagegen mit "...sonst steigen die Kosten..." begründet werden. Selbst linke Parteien und Medien hinterfragen diese Interpretation des Leistungsbegriffs mittlerweile kaum noch.

Physikalisch gesehen ist Arbeit die Menge an Energie die in einem Vorgang umgesetzt wird, und Leistung der Betrag an Arbeit, der über einen bestimmten Zeitraum erbracht wird. Natürlich lässt sich diese Definition nicht ohne Weiteres auf den Broterwerb anwenden, aber man sollte sie im Hinterkopf behalten.

Aber was ist dann diese "Leistung", die ein 400mal höheres Managergehalt im Vergleich zum Facharbeiter innerhalb desselben Konzerns und selbst nach einem Skandal noch ein tägliches Ruhegehalt in Höhe des Brutto-Monatsgehalts einer Altenpflegerin rechtfertigen soll? Was haben Investmentbanker und Manager geleistet, um Milliarden Euro an Boni zu verdienen, während ihr Konzern das dritte Jahr in Folge Milliarden-Verluste schreibt und Arbeitsplätze abbaut?

Selbst wenn man annimmt, dass ein Manager 50 Prozent mehr Zeit in seinen Job steckt (also 55 bis 60 Stunden wöchentlich), als durchschnittliche, tariflich gebundene Angestellte am Fließband (37 bis 40 Stunden), wären wir erst beim Gehalts-Faktor 1,5. Ein Manager, und insbesonders ein Vorstand, trägt natürlich Verantwortung für das Geschäft und die Mitarbeiter. Er muss täglich Entscheidungen treffen, die im Extrem Aufstieg oder Untergang der Firma bedeuten können. Dazu muss er gewisse intellektuelle Fähigkeiten, Erfahrungen und Wissen mitbringen, die er vorher oft langwierig erworben hat. Hier erkenne ich auch eine gewisse zusätzliche Arbeit und damit Leistung an, die erbracht wird und auch belohnt werden sollte. Entscheidend ist hier aber meiner Meinung nach das gesunde Maß, mit dem bewertet wird, was diese Arbeit und Leistung wert sind. Milliardenverluste, Skandale oder Massenentlassungen scheinen mir jedoch nicht vereinbar mit dem Konzept von mehr Leistung. Und jeder Manager ist nur so gut wie die Zuarbeit, die von den Angestellten und Assistenten der Firma geleistet wird. Studien haben zudem bereits gezeigt, dass Boni und hohe Gehälter über einer gewissen Grenze nicht für mehr Leistungsbereitschaft und Motivation sorgen und für die Firmen eher negative Folgen haben. Auch empfindet die überwiegende Mehrheit der Menschen höhere Managergehälter im Vergleich zum durchschnittlichen Angestellten wegen dem Mehr an Verantwortung und Einsatz als durchaus gerecht ... aber nur bis zu einem bestimmten Faktor, der je nach Studie zwischen 5 und 50 liegt.

Wie kann es also sein, dass die Leistung von Managern von den Beteiligten als mehrere hundert Mal soviel wert erachtet wird, wie die Leistung einer Pflegerin, die 40 oder mehr Stunden wöchentlich körperlich schwere und oft auch emotional belastende Arbeit an alten und kranken Menschen verrichtet? Bei der ein höheres Gehalt mit dem Hinweis auf die Kosten als nicht machbar abgelehnt wird? Wie wäre es, wenn wir das Gehalt eines Top-Managers halbieren oder ab einer gewissen Grenze mit 100 Prozent Einkommenssteuer belegen (wobei sich für ihn und seine Lebenssituation dadurch vermutlich nicht der geringste Unterschied ergibt), und davon einfach mal 50 neue Pflegerinnen einstellen oder 100 Menschen (egal ob arbeitslos oder nicht) ein Grundeinkommen finanzieren würden?

Für mich klingt der Bergiff Leistung, so wie er heute verwendet wird, immer mehr wie ein Euphemismus für "Selbstbedienung auf Kosten anderer, jederzeit und unter allen Umständen". Und die aufkommende GroKo wird daran nichts ändern, was immer auch im Koalitionsvertrag stehen mag. Aber die "Leistungen" unserer gut bezahlten Politiker lassen sich ja auch nicht wirklich messen oder gar in einen objektiven Maßstab einpassen, der Grundlage für ihr Gehalt wäre. In welchem Job sonst kann man regelmäßig selbst entscheiden, ob man sich mehr Geld genehmigt?

Permalink
Startseite Archiv Suche
Proudly made purely with Rust
Impressum und Datenschutzerklärung