Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

15. Mär 2018

Deutschland hatte in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts eine große Tradition des Fantastischen Films. Als Beispiele seien hier nur Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens oder Metropolis genannt. Mit den Nazis und ihrer Verfolgung "entarteteter" Kunst endete diese Tradition und lebte trotz größter Bemühungen seitens der Filmschaffenden nie wieder richtig auf.

Gestern hatte ich nun die Möglichkeit, im Kino eines der wenigen Kleinode deutscher fantastischer Filmkunst, die nach der Nazizeit gedreht wurden, in Anwesenheit des Autors und Regisseurs Robert Sigl zu sehen: Laurin.

Ein fantastischer Film, der zwar oft in die Kategorie Horror gesteckt wird, für mich aber tatsächlich mit "Fantastischer Film" besser beschrieben ist. Er hat die Atmosphäre eines Horrormärchens, was auch die Intention des Regisseurs war, der sich sehr von Märchen inspirieren lassen hat. Trotzdem war der Film in der Folge fast 30 Jahre in der Versenkung verschwunden (inklusive vernichteter Negative) und kann heute nur Dank der Initiative einiger Filmenthusiasten wie dem Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger und dem Kölner Filmlabel Bildstörung, die den Film von einer 35-Millimeter-Kinoversion liebevoll (und teuer!) digitalisiert und behutsam restauriert haben, wieder gesehen und auf DVD und BluRay gekauft werden. Im Ausland ist der Film wesentlich bekannter und wird dort in eine Reihe mit Filmen wie denen von Dario Argento und ähnlichen Größen gestellt.

Warum ich das hier alles erwähne? Weil der Film, bzw. der Umgang mit dem Regisseur danach, ein Paradebeispiel dafür ist, wie in Deutschland systematisch die Filmkultur verflacht und zerstört wird.

Robert Sigl hat den Film als sein Erstlingswerk 1988 in Ungarn auf Englisch(!) mit ungarischen Schauspielern (die des Englischen nicht mächtig waren!!) gedreht, weil die Finanzierung für einen Dreh in Deutschland nicht ausreichte. Sigl bekam dafür den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsregisseur. Trotzdem musste er daraufhin 6 Jahre lang als Parkhauswächter arbeiten, weil Filmförderung und Fernsehsender die Förderung fantastischer Filme für ein erwachsenes Publikum ablehnten und bis heute ablehnen, und er keines seiner weiteren Projekte realisieren durfte. Später hielt er sich dann mit Tatort-Folgen und Einspielern für Akte XY - Ungelöst über Wasser. In Kanada konnte er dagegen mit Größen wie Malcolm McDowell z.B. an der Serie Lexx - The Dark Zone arbeiten.

Besonders krass finde ich die Antworten, die er immer wieder auf Förderanfragen in Deutschland bekommen hat: Es würden grundsätzlich keine Filme mit FSK 16 gefördert, und erst recht keine Fantastischen Filme für Erwachsene, das ginge überhaupt nur im Kinderbereich, denn niemand in Deutschland wolle Fantastische Filme oder Horrorfilme sehen usw. Interessanterweise wurden aber z.B. Lars von Trier (Antichrist) und Quentin Tarrantino (Inglourious Basterds) mit sehr viel Geld gefördert, damit ein paar eher schlechte deutsche Schauspieler, die sonst keine Chance dazu hätten (Til Schweiger, I'm looking at you here), auch mal in einer internationalen Produktion auftreten durften.

Es immer gejammert, dass die deutschen Filme international untergingen und erfolglos seien. Dass man aber mit einer besseren Förderpolitik auch für abseitigere Projekte, bei denen es nicht um Nazis, Rosamunde Pilcher oder die nächste belanglose Komödie geht, auch Wettbewerbsgewinner (siehe Der Bunker von Nikias Chryssos) hervorbringen kann, hat sich bei den Verantwortlichen noch nicht herumgesprochen. So kann man natürlich nicht zu der Größe zurückkehren, die Deutschland als Filmnation vor dem Krieg mal innehatte.

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12. Mär 2018

Jens Spahn, CDU, Hoffnung der Konservativen, Gesundheitsminister in spé und neben seinen politischen Ämtern an Lobbyfirmen beteiligt, hat nach seinen Polemiken gegen "Muskelmachos" und "Großstadthipster", die wegen der Nutzung des Englischen in deutschen Großstädten "kulturelle Gleichschaltung" betreiben würden, mit neuen Äußerungen über Hartz IV derartig in's Klo gegriffen, dass selbst die neue CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer und andere Parteikollegen ihn für seine Ignoranz und Arroganz kritisieren. Ich frage mich ja, wie solche Leute in einer vorgeblichen "Volkspartei" immer wieder die Leiter hoch fallen können.

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Der chinesische Präsident Xi Jinping hat sich vom Volkskongress eine unbegrenzte Amtszeit in die Verfassung schreiben lassen. Bisher waren nur zwei Amtsperioden à 5 Jahre erlaubt. Nun war China ohnehin schon eine Parteiendiktatur, damit ist aber endgültig wieder der Schritt hin zur guten alten Führerdiktatur à la Mao offen.

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