Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

29. Mai 2018

Die EU möchte Einweggeschirr, Strohhalme und Ähnliches aus Plastik verbieten, um langfristig den Plastikmüll in der Umwelt und den Meeren zu reduzieren.

Grundsätzlich halte ich die Idee für gut, nur verlagert sie meiner Meinung nach das Problem lediglich auf andere Materialien. Denn Strohhalme und Pappteller aus ebenso schwer abbaubarer beschichteter Pappe landen dann immernoch in der Umwelt und gammeln Jahrzehnte vor sich hin.

Aus meiner Sicht würde die EU gut daran tun, grundsätzlich die Produktion von Stoffen zu verbieten, die nicht 100-prozentig recyclebar sind oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums komplett biologisch abgebaut werden, ohne in nicht abbaubare Mikrofragmente zu zerfallen. Zusätzlich sollten die Hersteller zum nachgewiesenen Recycling von 100 Prozent der von ihnen produzierten Stoffe und der dazu genutzten Hilfsstoffe verpflichtet werden. Der Import von Stoffen, die den Anforderungen nicht genügen, muss komplett verboten werden. Nur dadurch werden wir langfristig zu einer nachhaltigen, umweltfreundlichen Wirtschaft kommen.

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23. Mai 2018

Facebook hat seine bei der Übernahme von WhatsApp gegebenen Versprechen endgültig gebrochen und gibt nun massenhaft Nutzerdaten des Messengers an den Mutterkonzern weiter. Das betrifft nicht nur Nutzer, die neben WhatsApp auch einen Facebook-Account haben, sondern alle WhatsApp-Nutzer.

Zwar werden keine Kommunikationsinhalte weitergegeben, aber so ziemlich alles, was an Meta-Daten anfällt: sämtliche nutzerbezogene Daten, wie z.B. Name, Nummer, Profildaten, Gerätedaten (bis hin zu den eingestellten Optionen, Betriebssystemdaten, Carrierdaten), Nutzungsdaten (wann zuletzt genutzt, wie lange etc.).

Man kann dem widersprechen, aber nur auf einem unglaublich komplizierten Weg: unter anderem soll der Nutzer darlegen, welchen Datenverarbeitungssaktivitäten genau er widersprechen möchte, wie und warum diese seine Rechte und Freiheiten genau einschränken etc. Das Ganze ist so gestaltet, dass der durchschnittliche Nutzer diesen Weg kaum erfolgreich wird gehen können.

Ich hatte diesen Schritt schon erwartet, nachdem der letzte Gründer von WhatsApp kürzlich seinen Posten bei Facebook im Streit verlassen hatte, aber nicht, dass Facebook den Usern derartig schnell den Stinkefinger zeigen würde.

Es wird wohl langsam Zeit, endgültig auf Alternativen wie Signal oder Wire umzusteigen.

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16. Mai 2018

Zwei Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft haben sich mit dem türkischen Präsidenten fotografieren lassen, und die Aufregung ist groß. Wie konnten sie nur! Die Kritik aus Politik und Medien ist sich einig: dafür müssen sie an den Pranger gestellt werden!

Was für eine scheinheilige Debatte.

Keine Frage, Präsident Erdoğan ist ein lupenreiner Diktator, der das Osmanische Reich in alter Größe wieder auferstehen lassen möchte und Teile der eigenen Bevölkerung (die Kurden, unliebsame Journalisten und Autoren usw. usw.) am liebsten ausrotten würde. Aber er wurde vom türkischen Volk gewählt, ob uns das passt oder nicht. Die Türkei ist Mitglied der NATO, Deutschland unterhält umfassende wirtschaftliche Beziehungen zur Türkei und liefert weiterhin Waffen, die postwendend gegen die Kurden in der Türkei und in Syrien eingesetzt werden. Statt endlich mal konkrete Konsequenzen zu ziehen, wird nur Symbolpolitik betrieben, während hinten herum munter Geschäfte gemacht werden.

Was genau wird also den Spielern, die neben dem deutschen Pass (soweit ich informiert bin) immernoch den türkischen Pass haben und, abgesehen von der Nationalmannschaft, nicht einmal in Deutschland spielen, vorgeworfen? Dass sie im Grunde genommen das Gleiche tun, wie die deutsche Politik? Dass sie ihre türkische Herkunft nicht komplett verleugnen und sich nicht deutscher als jeder Deutsche verhalten? Dass sie genauso wie viele türkischstämmige Mitbürger, die hierzulande oft immernoch als Fremde gesehen und behandelt werden, selbst wenn sie hier geboren wurden, einen Diktator verehren, der verspricht, ihnen wieder den Respekt zu verschaffen, der ihnen hier nicht entgegengebracht wird?

Natürlich war dieser Auftritt dumm, ärgerlich und mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar. Aber deswegen gleich einen derartigen Shitstorm zu erzeugen, halte ich doch für etwas übertrieben. Hätte es sich nicht um zwei Fußball-Millionäre sondern um zwei Mitglieder der Nationalmannschaft im Synchronschwimmen oder Faustball gehandelt, hätte kein Hahn danach gekräht. Andersherum wäre jeder Spieler mit deutschen Wurzeln, der für eine ausländische Nationalmannschaft spielt, für einen solchen Termin mit der Kanzlerin hochgejubelt worden.

Wie wäre es denn mal damit, deutlichere Konsequenzen von der deutschen Politik zu fordern, statt zwei unbedeutende Schwachmaten nieder zu machen?

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15. Mai 2018

Große Aufregung in den Medien um die Bäckerei-Äußerungen des FDP-Chefs Christian Lindner. Da wird seit Tagen Zeter und Mordio wegen des angeblichen Rassismus in der Anekdote geschrien, als würde beispielsweise die AfD nicht jeden Tag solche und viel schlimmere "Anekdoten" verbreiten.

Nun stimme ich mit Herrn Lindner politisch nicht überein, aber ausgehend von dem, was er in der Vergangenheit im Großen und Ganzen von sich gegeben hat, glaube ich tatsächlich, dass hinter seiner Äußerung nicht Rassismus steckt. Vielmehr halte ich das für einen Ausdruck der in der FDP verbreiteten Ansicht, dass Zuwanderung nur dann gut ist, wenn sie Geld ins Land bringt und die Geschäfte befördert. Die Unterscheidung zwischen legaler und illegaler Zuwanderung in dem Zitat ist bezeichnend, wobei unterschlagen wird, dass ein 'illegal' Zugewanderter natürlich auch ein hochqualifizierter IT-Fachmann sein könnte, der nur eben nicht aus Indien sondern aus einem der zu vielen Kriegsgebiete überall auf der Welt kommt und vielleicht nicht den optimalen Weg gewählt hat, den Zuständen dort zu entfliehen.

DAS ist für mich das eigentliche Problem mit Herrn Lindner: die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Zuwanderung, die Menschen aufgrund ihrer Nützlichkeit bewertet, die Verteidung komplett willkürlicher Entscheidungen darüber, ob ein Mensch legal oder illegal hier lebt, und der Versuch, den völlig irrationalen und unbegründeten Ängsten einer Klientel, die seiner Partei in den letzten zwanzig Jahren (außer als Stimmvieh) nie wichtig war, eine Berechtigung zuzusprechen, nur um sich anzubiedern.

Die FDP hatte mal neben ihren wirtschaftsliberalen Ansichten auch eine Reputation als Bürgerrechtspartei. Mit Äußerungen wie diesen, die bewußt provozieren und am rechten Rand fischen, entfernt sie sich aber immer weiter von diesem Teil ihrer ehemaligen Kernkompetenzen. Das hat allerdings auch schon einem Herrn Mölleman nicht gut getan und die FDP fast in den Abgrund gerissen.

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