Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

09. Jan 2018

Es ist vielleicht ein subjektiver Eindruck, der möglicherweise unzutreffend ist, aber ich habe in letzter Zeit das Gefühl, dass die Menschen in den letzten zwanzig Jahren zunehmend unfreundlich, egoistisch und aggressiv geworden sind.

Wir wohnen in einer Straße, die keine Hauptverkehrsstraße ist, sondern nur eine Durchgangsstraße mit vergleichsweise wenig Verkehr. Trotzdem wird dort stündlich wenigstens fünf Mal gehupt. Nach meinem Verständnis der StVO sollte es dafür dort überhaupt keinen Anlaß geben. Offenbar ist es aber für viele Autofahrer schon ein ausreichender Grund, wenn jemand nicht schnell genug abbiegt oder sich nicht noch möglichst knapp vor der heranfahrenden Straßenbahn in den Verkehr einfädelt, damit nachfolgende Fahrzeuge etwa 3 Sekunden sparen können (die sie an der nächsten Ampel eh wieder verlieren). Oder man ersteigert etwas bei ebay und bekommt Ware mit unbeschriebenen Defekten, die die Ware komplett unbenutzbar machen. Auf eine Rückgabe angesprochen, reagiert der Verkäufer dann mit Beleidigungen und der Aussage, man solle sich nicht so haben, schließlich wäre der Preis ja extrem niedrig gewesen. Oder man beschwert sich bei der neuen Geschäftsführung eines Betriebsrestaurants, weil man wegen eines Verhaltens, dass der vorherige Betreiber problemlos geduldet hat, von der Bedienung plötzlich extrem unprofessionell und beleidigend angegangen wird, und wird dann von der neuen Geschäftsführung ebenfalls schamlos belogen und beleidigt.

Das waren nur ein paar kleine Beispiele, die so oder ähnlich jeden Tag passieren. Schlechtes Benehmen scheint heute niemandem mehr peinlich zu sein. Ich glaube ja, dass das eine Folge der politischen Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre ist, der Art und Weise, wie die Politik und daraus folgend die Medien mit Menschen, und hier insbesonders mit sozial schwachen und schutz- und hilfebedürftigen Menschen, umgehen. Die Einführung von Hartz IV, sowie die vielen anderen kleinen Schritte, die zum Abbau unseres Sozialsystems geführt haben, haben auch dafür gesorgt, dass die Medien und damit auch große Teile der Gesellschaft Aggressivität, Unhöflichkeit, Häme, Neid und Verachtung als Verhaltensweisen entdeckt haben, die hemmunglos und ohne Angst vor Nachteilen ausgelebt werden können. Die soziale Kontrolle funktioniert nicht mehr, die Menschen werden allein gelassen und unsoziales Verhalten wird ihnen jeden Tag von den sogenannten Spitzen der Gesellschaft vorgelebt. Die Ellenbogen-Mentalität, die schon in den 90ern beklagt wurde (unter Anderem auch von den Medien), hat sich jetzt erst so richtig entfaltet. Statt anderen Menschen freundlich zu begegnen und nicht nur den eigenen Vorteil zu suchen, in der Hoffnung, dass die ganze Gesellschaft davon profitiert, wird gnadenlos und ungestraft auf die eingeschlagen, die sozial noch etwas tiefer stehen. Was nur den oberen Schichten der Gesellschaft, den Konzernen und Politikern nutzt, denn so müssen sie keine Angst haben, dass ihnen jemand an die Privilegien geht, ganz nach dem Motto: Beschäftige den Pöbel, dann beschäftigt er sich nicht mit dir.

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