Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

08. Feb 2018

Mich ärgert immer wieder, dass überhöhte Manager-Gehälter und Abfindungen mit "Leistung", niedrige Gehälter in anderen Bereichen (wie z.B. in Pflegeberufen) dagegen mit "...sonst steigen die Kosten..." begründet werden. Selbst linke Parteien und Medien hinterfragen diese Interpretation des Leistungsbegriffs mittlerweile kaum noch.

Physikalisch gesehen ist Arbeit die Menge an Energie die in einem Vorgang umgesetzt wird, und Leistung der Betrag an Arbeit, der über einen bestimmten Zeitraum erbracht wird. Natürlich lässt sich diese Definition nicht ohne Weiteres auf den Broterwerb anwenden, aber man sollte sie im Hinterkopf behalten.

Aber was ist dann diese "Leistung", die ein 400mal höheres Managergehalt im Vergleich zum Facharbeiter innerhalb desselben Konzerns und selbst nach einem Skandal noch ein tägliches Ruhegehalt in Höhe des Brutto-Monatsgehalts einer Altenpflegerin rechtfertigen soll? Was haben Investmentbanker und Manager geleistet, um Milliarden Euro an Boni zu verdienen, während ihr Konzern das dritte Jahr in Folge Milliarden-Verluste schreibt und Arbeitsplätze abbaut?

Selbst wenn man annimmt, dass ein Manager 50 Prozent mehr Zeit in seinen Job steckt (also 55 bis 60 Stunden wöchentlich), als durchschnittliche, tariflich gebundene Angestellte am Fließband (37 bis 40 Stunden), wären wir erst beim Gehalts-Faktor 1,5. Ein Manager, und insbesonders ein Vorstand, trägt natürlich Verantwortung für das Geschäft und die Mitarbeiter. Er muss täglich Entscheidungen treffen, die im Extrem Aufstieg oder Untergang der Firma bedeuten können. Dazu muss er gewisse intellektuelle Fähigkeiten, Erfahrungen und Wissen mitbringen, die er vorher oft langwierig erworben hat. Hier erkenne ich auch eine gewisse zusätzliche Arbeit und damit Leistung an, die erbracht wird und auch belohnt werden sollte. Entscheidend ist hier aber meiner Meinung nach das gesunde Maß, mit dem bewertet wird, was diese Arbeit und Leistung wert sind. Milliardenverluste, Skandale oder Massenentlassungen scheinen mir jedoch nicht vereinbar mit dem Konzept von mehr Leistung. Und jeder Manager ist nur so gut wie die Zuarbeit, die von den Angestellten und Assistenten der Firma geleistet wird. Studien haben zudem bereits gezeigt, dass Boni und hohe Gehälter über einer gewissen Grenze nicht für mehr Leistungsbereitschaft und Motivation sorgen und für die Firmen eher negative Folgen haben. Auch empfindet die überwiegende Mehrheit der Menschen höhere Managergehälter im Vergleich zum durchschnittlichen Angestellten wegen dem Mehr an Verantwortung und Einsatz als durchaus gerecht ... aber nur bis zu einem bestimmten Faktor, der je nach Studie zwischen 5 und 50 liegt.

Wie kann es also sein, dass die Leistung von Managern von den Beteiligten als mehrere hundert Mal soviel wert erachtet wird, wie die Leistung einer Pflegerin, die 40 oder mehr Stunden wöchentlich körperlich schwere und oft auch emotional belastende Arbeit an alten und kranken Menschen verrichtet? Bei der ein höheres Gehalt mit dem Hinweis auf die Kosten als nicht machbar abgelehnt wird? Wie wäre es, wenn wir das Gehalt eines Top-Managers halbieren oder ab einer gewissen Grenze mit 100 Prozent Einkommenssteuer belegen (wobei sich für ihn und seine Lebenssituation dadurch vermutlich nicht der geringste Unterschied ergibt), und davon einfach mal 50 neue Pflegerinnen einstellen oder 100 Menschen (egal ob arbeitslos oder nicht) ein Grundeinkommen finanzieren würden?

Für mich klingt der Bergiff Leistung, so wie er heute verwendet wird, immer mehr wie ein Euphemismus für "Selbstbedienung auf Kosten anderer, jederzeit und unter allen Umständen". Und die aufkommende GroKo wird daran nichts ändern, was immer auch im Koalitionsvertrag stehen mag. Aber die "Leistungen" unserer gut bezahlten Politiker lassen sich ja auch nicht wirklich messen oder gar in einen objektiven Maßstab einpassen, der Grundlage für ihr Gehalt wäre. In welchem Job sonst kann man regelmäßig selbst entscheiden, ob man sich mehr Geld genehmigt?

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