Ätherrauschen

Kommentare zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

19. Feb 2018

Der Dieselskandal und seine Folgen zeigen einmal mehr, dass man als Autobauer in Deutschland selbst bei größtmöglicher krimineller Energie nichts zu befürchten hat: nun soll nach dem Willen einer Gruppe von Beratern bzw. "Experten" der Regierung der Staat (und damit der Bürger) zu einem großen Teil die Umrüstung von Dieselfahrzeugen bezahlen. Die Autobauer, die durch ihren Betrug am Staat und den Kunden das ganzen Problem erst mitverursacht haben, sollen, wenn überhaupt, nur einen kleinen Beitrag leisten.

Ich kann mir schon denken, für wen diese Berater sonst noch so arbeiten.

Wir sollten nicht vergessen, dass ausser ein paar Ermittlungen noch gegen keinen der Beteiligten hier in Deutschland wirklich etwas unternommen wurde, anders als beispielsweise in den USA, wo bereits VW Manager und Ingenieure vor Gericht stehen.

Hierzulande heißt die Lösung "Blaue Plakette": nur mit dieser Plakette darf man die die Verbotszonen, die sicher kommen werden, einfahren. Oder man andersherum betrachtet: die Plaktette werden nur Fahrzeuge bekommen, die mindesten die Euro 6 Abgasnorm erfüllen, oder so umgerüstet wurden, dass ihr Stickstoffwert unter den Grenzwerten bleibt, was aber auch nur für Euro 5 Fahrzeuge überhaupt geplant ist. Die Plakette kostet den Bürger dann natürlich auch wieder Geld.

Im Klartext bedeutet das: die Leute, deren Fahrzeug älter als 2, 3 Jahre ist oder nicht umgerüstet werden kann, sitzen auf einem Haufen wertlosen Schrotts, da sie mit dem Fahrzeug dann in viele große Städte nicht mehr einfahren dürfen und das Auto auch nicht mehr zu einerm vernünftigen Preis verkauft werden kann. Den Autobauern werden so Kosten für die Umrüstung erspart, die sonst ihre Milliardengewinne schmälern könnten (VW hat 2017 trotz Dieselskandal Rekordgewinne eingefahren), die durch diese Maßnahme sogar noch weiter steigen dürften, da dann plötzlich viele Leute eine neues Auto benötigen.

Die Idee mit dem kostenlosen Nahverkehr stammt übrigens auch aus dieser Ecke: so kann man sich die Umrüstung der Fahrzeuge sparen und den Bürgern (via Steuern und Abgaben) die Folgekosten auferlegen. Ich bin aus mehreren Gründen trotzdem noch für den Vorschlag: zum Einen wird das langfristig den Autobauern auch nicht helfen, da sie so ohne Druck, sich ändern zu müssen, und in Anbetracht der Tatsache, dass immer weniger junge Leute ein Auto kaufen, in nicht allzu ferner Zukunft noch einmal die Rechnung für ihr Handeln vorgelegt bekommen werden. Zum Zweiten hat der Kasseler Verkehrswissenschaftler Carsten Sommer errechnet, dass für die Kommunen der Autoverkehr durch die damit verbundenen Folgekosten dreimal so teuer ist, wie es ein kostenloser Nahverkehr wäre. Hier hat also mal jemand das Kostenargument, das bisher gegen den kostenlosen ÖPNV sprach, einfach komplett umgedreht. Ich glaube, dass das langfristig auch bei den Kommunen ziehen wird. Aber ich bin mir auch sicher, dass Lobbyverbände und Autobauer nach Kräften versuchen werden, das zu torpedieren.

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